Reinigungskraft

  • Renate Gauweiler bei der Arbeit
    Renate Gauweiler bei der Arbeit
  • ... und mit VFBB-Betreuerin Liliana Friedrich
    ... und mit VFBB-Betreuerin Liliana Friedrich
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Renate Gauweiler war schon seit Längerem arbeitssuchend und bekam eine Einladung ihrer Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit in Landau zum Unternehmensberatungs- und Integrationsservice. Obwohl sie wenig Hoffnung hatte, mit Ende 50 noch eine Arbeitsstelle zu finden, kam sie im Januar 2016 zum Projektträger VFBB nach Germersheim. Ihre Hörbehinderung nimmt man im persönlichen Gespräch gar nicht wahr aber die Teilnahme an den Gruppencoachings war problematisch. Wenn mehrere Teilnehmer/innen miteinander redeten, konnte sie dem Gesprächsverlauf nur schwer folgen. Die aktive Teilnahme war für sie anstrengend bis unmöglich und brachte sie deshalb auch nicht viel weiter. Im Einzelcoaching konnte ihre VFBB-Betreuerin Liliana Friedrich besser auf sie persönlich eingehen. Unter vier Augen und mit Blickkontakt lief die Verständigung völlig unproblematisch, da die Teilnehmerin unmerklich von den Lippen abliest.

Die Geschichte
Ihre langjährige Fließbandarbeit in der Industrie musste sie aufgeben, da sie den körperlichen Belastung mit zunehmendem Alter nicht mehr gewachsen war. Verschiedene Abteilungen hatte sie getestet, schließlich konnte sie aber den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Als Personalkürzungen anstanden, ging sie freiwillig. Während der anschließenden Arbeitslosigkeit bekam sie die Anfrage, einer älteren Dame im Haushalt etwas zur Hand zu gehen. Sie war froh, wieder eine kleine Aufgabe zu haben und sagte spontan zu. Was als hilfsbereites Angebot begann, wurde schnell zum Minijob.

Vom Hobby zum Traumjob
Sie hat es gerne mit Menschen zu tun. „Die Chemie muss stimmen“, sagt sie - und beim VFBB-Team war das so. Im Coaching wurde schnell klar: Sie mag es ordentlich und putzt leidenschaftlich gerne. „Ich weiß auch nicht warum aber das ist schon seit meiner Kindheit so“, erzählt sie uns. Dazu kommt ihr freundliches Wesen. Aus ihrem persönlichen Werdegang bringt sie viel Lebenserfahrung mit, sie hat erwachsene Kinder und Enkel, steht selbstbewusst im Leben und denkt grundsätzlich positiv: „Das Glas ist bei mir immer halb voll“, sagt sie und lacht. Und das, obwohl sie in ihrem Leben durchaus auch Tiefen erleben musste – beruflich, privat und gesundheitlich. Weiterhin konnten im Einzelgespräch ihre persönlichen Stärken herausgearbeitet werden: Offenheit, gute Selbstorganisation und strukturierte Arbeitsweise. Außerdem eine hohe soziale Kompetenz, die in ihrem Interesse am Umgang mit Menschen deutlich wird. Mit diesem Ansatz wurden entsprechende Bewerbungsunterlagen erstellt, die genau diese Stärken widerspiegeln. Diese Talente für den Beruf zu nutzen – der Gedanke lag für die VFBB-Betreuerin nahe. Dass die DIAG gGmbH als gemeinnützige VFBB-Tochtergesellschaft mehrere Dienstleistungsagenturen im Bereich Haushaltnahe Dienste betreibt, kam dann sehr gelegen und zum Wohnort Bellheim liegt die ‚sophi‘-Filiale in Neustadt nicht weit. VFBB-Betreuerin Friedrich wusste, dass bei ‚sophi‘ Reinigungskräfte gesucht werden und stellte den Kontakt direkt her. „Ich kenne mich am Computer nicht aus, deshalb hatte ich auch keine Bewerbungsunterlagen. Damit hat mir Frau Friedrich sehr geholfen“, berichtet die Teilnehmerin. Beim anschließenden Vorstellungsgespräch in der Reinigungsagentur konnte sie ihre persönlichen Unterlagen in der „Talentemappe“ vorzeigen und die ‚sophi‘-Leitung von ihrer Putzleidenschaft überzeugen. „Seit 9. Mai 2016 arbeite ich jetzt schon in Neustadt – das Datum weiß ich ganz genau“, sagt sie stolz.

Hörbehinderung ohne Auswirkung auf den Job
Heute fährt sie zu festen Kunden und reinigt Privathaushalte der Region. Ihre Hörsituation spricht sie gleich im ersten Gespräch offen an. „Meine Kunden wissen alle, dass sie mich anschauen müssen, wenn sie mit mir sprechen“, berichtet sie aus ihrem Arbeitsalltag. „Dann ist das überhaupt kein Problem“, so Gauweiler weiter. Momentan übernimmt sie die Urlaubsvertretung für eine Kollegin, deshalb reinigt sie heute die Germersheimer Geschäftsräume des VFBBV e. V., wo wir sie zum Gespräch treffen. Noch vor einem halben Jahr kam sie hierher zum Coaching – die Erinnerung ist noch frisch. Auf die Frage, wie sich das für sie anfühlt, antwortet sie: „Ohne die Bewerbungsunterlagen und die Unterstützung durch Frau Friedrich wäre ich sicher noch arbeitslos. Mir geht es sehr gut, ich habe meinen Traumjob gefunden. Ich putze einfach für mein Leben gern und ich stehe dazu.“

Zusammenarbeit im Unternehmensverbund ermöglichte die Vermittlung
Frau Gauweilers Werdegang ist ein gutes Beispiel für die dichte Vernetzung von VFBB, GABIS und DIAG im Speyerer Unternehmensverbund. Im Projekt wurde sie vom VFBB betreut, bei der DIAG gGmbH (Betreiberin der Dienstleistungsagentur sophi | Der Laden) arbeitet sie und bei der GABIS GmbH hat sie ihren Arbeitsvertrag. Das gemeinnützig orientierte Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt sophi-Mitarbeiter/innen nach fairen Prinzipien im Entleih.