Neue Perspektive: Beruf und Hobby vereint

„Ich habe das Vertrauen in Arbeitgeber und Verwaltungen verloren, aber vor allem habe ich kein Zutrauen mehr in meine Fähigkeiten.“ So stellte sich Herr G. beim Bildungsträger BFB e.V. in Grünstadt vor. Im September 2015 bekam er vom Jobcenter Deutsche Weinstraße die Einladung zur Teilnahme beim Inklusionsprojekt schwer-begabt.

Die Geschichte
Schule, Abitur, Studium, Lehrauftrag - bis dahin verlief der Lebensweg des Herrn G. auf eine Karriere an der Universität hinaus. Doch dann traf ihn die Nachricht einer bösartigen Krankheit völlig unvorbereitet und warf ihn aus seinem bis dahin zielstrebigen Lebensweg.
Hinzu kam, dass die Genesung länger dauerte als erwartet, so dass der berufliche Anschluss verloren ging. Nach der Heilung musste sich Herr G. völlig neu orientieren. Sein berufliches und soziales Umfeld änderte sich. Er lernte neue, für ihn fremde Tätigkeitsfelder kennen, geriet aber immer wieder an seine körperlichen und fachlichen Grenzen, was starke Selbstzweifel mit sich brachte. Auch die Unterstützung und gezielte Fördermaßnahmen seitens der Arbeitsverwaltungen und anderer Institutionen konnten keine Abhilfe schaffen. Herrn G.‘s Selbstzweifel verfestigten sich, da er nun zudem aus dem Netz öffentlicher Unterstützungsmaßnahmen zu fallen drohte. Frust und Perspektivlosigkeit machten den beruflichen und gesellschaftlichen Anschluss nach inzwischen 13 Jahren scheinbar unmöglich.

Das Projekt schwer-begabt
Herr G. erschien ohne Erwartungen an das Projekt. „Ich wollte gar nicht erst kommen.“ Mit diesem Satz kam er zum Projektpartner BFB e.V. in Grünstadt. Dennoch nahm er am Coaching teil, wo gemeinsam Fähigkeiten aus Beruf, Hobby sowie seiner Persönlichkeit beleuchtet und eine individuelle Talentemappe erarbeitet wurde. Diese Talentemappe stellte die Grundlage für die weiteren Bewerbungsaktivitäten dar und bereicherte den Lebenslauf sowie die Bewerbungsschreiben um neue Aspekte. Außerdem wurden die Zielfelder der Bewerbungsaktivitäten auf Dozententätigkeit für Flüchtlinge sowie Spielelektor (sein Hobby) ausgedehnt. Zahlreiche Vorstellungsgespräche waren die Folge. Hier ergaben sich bereits erste Chancen in Form zweier Praktika als Deutschlehrer mit Aussicht auf Anstellung. Die interessante Aufgabe, der wiederentdeckte Tages- und Wochenrhythmus durch die Arbeitspraxis und der Austausch mit den Flüchtlingen weckten neue Hoffnung. Das steigerte den Willen des Herrn G., unbedingt eine Anstellung zu finden.

Der Weg zum Erfolg
Schließlich fand Herr G. ein Stellenangebot eines Spieleverlags im Lektorat, für das er sich bewarb und zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Nun bedurfte es finanzieller Unterstützung für die Fahrtkosten, denn die Firma ist 140 km vom Wohnort entfernt angesiedelt. Durch die enge Vernetzung zwischen den Kooperationspartnern des Projektes schwer-begabt mit dem Jobcenter Deutsche Weinstraße wurde dem Teilnehmer nicht nur der Vorstellungstermin sondern auch ein anschließendes Praktikum ermöglicht. Selbst bei der Ausarbeitung des Anstellungsvertrages unterstütze ihn die Verwaltung. Ja bis hin zur Europäischen Union geht die Vernetzung, denn im Rahmen des „ESF-Bundesprogramms zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit“ konnte mit dem Arbeitgeber ein Arbeitsvertrag ausgehandelt werden. Das Programm bietet sogar Unterstützung an, die in den ersten Monaten während des Arbeitsverhältnisses weitergeführt wird, um eine dauerhafte Integration zu erzielen. Das Engagement der Projektpartner, des Jobcenters Deutsche Weinstraße, des BFB e.V. und auch des Arbeitgebers hat Herr G. mit Interesse verfolgt, was letztlich seine anfänglich frustrierte Haltung positiv beeinflusst hat.

Das Resümee
Heute, neun Monate später, offenbart sich eine völlig andere Situation. Herr G. ist wie verwandelt - stolz zeigt er uns seinen Arbeitsvertrag. Die neue Arbeitsstelle ist für ihn vor allem eine neue Lebensperspektive. Das Beste daran ist: Herr G. hat sich all dies mit hohem Engagement im Projekt selbst erarbeitet. „Dass mir Menschen geholfen haben, die an mich glaubten - darüber freue ich mich heute am meisten“, so sein Resümee.